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Einfach nur so ein Wagen für Pferde?

Aber nein doch – ein Palace Horse car, bitte!

 

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English reading visitors can follow this project also on an album on Facebook with captions in English.

 

 
Auch wenn ich selbst immer wieder von meinem Pferdewagen spreche, aber “Palace Horse Car” klingt doch ganz anders, auch wenn es sich hier nur um einen solchen Wagen für Ponys handelt!

Ein Express-Wagen für  den Transport von Pferden, hier im Speziellen für Ponys der Heyl Pony Farm

Natürlich ist dieser “Palace Car” nur ein sinnbildlicher Begriff dieses Unternehmens Arms Palace Horse Cars Co. für ihre Wagen, das sich auf die Herstellung von Transportwagen für Pferde spezialisiert hatte, nicht nur um auf die äußerliche Gestaltung des Wagens hinzuweisen, aber insbesondere damit auch anzumerken, dass diese Güterwagen, die es ja in Wirklichkeit sind, in Express- und schnelle Personenzüge eingestellt werden können. Warum und wieso, das sagt das Zitat aus dem Katalog weiter unten. Von einem entsprechenden luxeriösen Design wird im Innern selbstverständlich nichts zu finden sein, den Pferden oder Ponys dürfte es ziemlich gleichgültig gewesen sein, womit sie transportiert wurden, wenn die Ausstattung denn nur halbwegs artgerecht war!

Ich möchte insbesondere auch auf den Katalog des Unternehmens hinweisen, den ich von diesem Unternehmen im Internet gefunden habe, …

Das Titelbild des Katalogs der ''Arms Palace Horse Car Co.

… digitaliziert von den Columbia University Libraries und ins Web gestellt und aus dem dieses Bild eingangs stammt.

Im Katalog des Hersteller dieser Wagen heißt es dann auch … 
Ein Ausschnitt aus der Beschreibung des Katalogs, der auf die vorzügliche Verwendung dieses Wagens hinweist, natürlich nicht nur Ponys!

Soeben haben wir eine Serie der oben abgebildeten Wagen (Katalogbild) vervollständigt und zum Einsatz übergeben, die insbesondere für den Transport von Pferden im Personen- und Expresszug-Verkehr gebaut wurden und die speziell für Veranstaltungen von Rennställen oder transkontinentalen Transporten geeignet sind, wo der Transport mit Güterzügen unmöglich oder unpraktikabel ist. Diese Wagen sind aber auch zweckdienliche Fahrzeuge für den Transport von Familienställen zu und von den Sommer- wohnsitzen.

Den gesamten Katalog dieses Herstellers finden Sie unter dem Link nach dem ersten Bild oben, wo noch ein weiterer Tiertransporter als Produkt dieses Unternehmens vorgestellt wird. Und falls Sie sich nicht mit den Details aufhalten wollen, dann verrate ich es Ihnen hier, der Katalog ist aus dem Jahr 1889, wobei das Bild zu Beginn, anhand dessen sich mein Modellbau orientiert, ein ganzes Stück jünger sein sollte, denn da sind schon die moderneren Klauenkupplungen und Bremsschläuche vorhanden, was alles auf eine Zeit nach 1900 schließen lässt.

Da habe ich doch wieder einmal ein interessantes Vorbild gefunden, das so richtig nach Realisierung “schreit”! Oder was denken Sie darüber? Der Katalog gibt zwar kaum weitere Details her, keine Zeichnung, aber im Text ist angegeben, dass diese Fahrzeuge 44 Fuß lang sind, und das ist schon eine ziemlich hilfreiche Information! Viel mehr brauche ich nicht! Ein glücklicher Umstand kommt zu diesem Projekt sogar noch hinzu! Mein Freund Jörg aus Leipzig war hellauf begeistert von diesem nicht ganz alltäglichen Wagen. Er betrachtete ein solches Modell als eine ausgezeichnete Ergänzung für seinen in Arbeit befindlichen Zirkustrain, da gibt es nicht nur die unterschiedlichsten Fahrzeuge, auf jeden Fall sind Pferde aber ein unabdingbarer Bestandteil eines jeden Zirkus! Also werde ich zwei Modelle bauen, wobei der Zirkus train einen längeren Wagen benötigt. Also wird dieses für meine Freund bestimmte Modell auch ungekürzt entsprechend der Ausgangsmodelle, die ich für diese Arbeit hier einsetze, dann auch 50 Fuß lang werden. Damit weiß ich aber auch, wer die Lackierung dieser Modelle ausführen wird, welch ein Glücksfall! Eine Hand wäscht die andere! Altes Sprichwort.

 


 

Klicken Sie auf eines der Thumbnail-Bilder und starten Sie damit Ihre Diashow.
 

 

Das ist der gegenwärtige Stand, denn ich natürlich laufend aktualisieren werde. Schauen Sie doch wieder einmal vorbei, ich würde mich freuen!
 


Ergänzungen – so auch hier:

Wie so oft, ergibt es sich bei der Suche nach Informationen, dass man auf weitere Bilder und Informationen stößt, die das bisher Geschriebene ergänzen und untermauern.

Als erstes ein besonderes Dokument, der Auszug aus dem Official Railway Equipment Register (ORER). aus dem Jahr 1917, in dem auch die Fahrzeuge unter der Eigentümerschaft der Arms Palace Horse car Co. geführt werden, wo die Existenz genau dieses Vorbilds für meine Modelle über einen längeren Zeitraum dokumentiert ist.
Wenn man es genau nimmt, hat die damit längere Version, die ich einem Freund zuliebe baue, natürlich keine Berechtigung, aber Modellbahn ist Hobby und da sollte erlaubt sein, was gefällt!

Ein Auszug vom Official Railway Equipment Register (ORER) der Arms Palace Horse car Co. aus dem Jahr 1917 - Public Domain

Sehen Sie hier insbesondere den hervorgehobenen Eintrag, wo nicht nur die wesentlichen Merkmale dieser Wagen vermerkt sind, sondern auch eine Kostenübersicht für die Nutzung solcher Wagens zu finden ist.

Es ist interessant, dass diese Wagen bereits im ORER von 1905 verzeichnet und da die Nutzungskosten völlig identisch zu dem Eintrag von 1917 sind. Erst im Jahr 1919 ist eine Position der Nutzungsgebühren leicht erhöht. Diese Wagengruppe mit den Nummern 2001 bis 6250 sind auch im Jahr 1925 noch mit einer Anzahl von 20 Exemplaren aufgeführt, allerdings tauchen sie im ORER von 1930 dann nicht mehr auf. Die Ausmusterung von Holz- und der Übergang zu Stahlwagen hat sich wohl auch bei diesen Fahrzeugen abschließend vollzogen.
 
Aber natürlich sind es auch Bilder, die man findet und einem zumeist “in den Schoß fallen”.

Ein weiteres Beispiel eines solchen Pferdetransportwagens, hier von der Maine Central Railroad - und dieses sollte bei weitem nicht das Einzige sein!

• Quelle: The Car Builders’ Dictionary – Jahrgang 1912

Schon bei der Vorstellung dieser Arbeit auf Facebook wurde mir bewusst, dass dieser Wagen, den ich hier nachbaue, nicht ein Einzelexemplar ist, da hat es bei den amerikanischen Bahnen doch eine Menge mehr gegeben. Zusätzlich zu meinem Vorbild habe ich gleich mehrere Wagen dieses Typs gefunden, davon einen, den ich hier im Bild noch vorstellen möchte, und darüber hinaus auch größere bis zu 70 Fuß lange Wagen, dann jedoch in Stahlbauweise, was den Bearf solcher Fahrzeuge eindeutig unterstreicht!
 
Und zum Dritten! Hat dieser Wagen auf dem Bild nicht eine große Ähnlichkeit zu dem, den ich gerade baue? Gut, die Anordnung von Türen und Fenster sind anders, aber ein Wagen für den Transport von Pferden wohl ganz eindeutig! Auch noch ein Wagen der Union Pacific Railroad! Und dazu eine ganze Reiterschar?

Das Stöbern im Web bringt immer wieder unerwartete Ergebnisse, dieser Wagen hat doch eine große Ähnlichkeit mit dem, den ich gerade baue? Und dazu steckt auch noch eine besondere Geschichte dahinter!

• Credit: Union Pacific Railroad – Public domain

Ja, was steckt hinter diesem Bild? Gelesen hatte ich etwas von Banditenbekämpfung, was war’s denn genau?

Da die UP eine ziemlich restriktive Politik bezüglich der Verwendung ihres Namens betreibt, habe ich vorsorglich beim UP Railroad Museums angefragt, das als Quelle für dieses Bild genannt war, ob ich dieses Bild verwenden könnte? Und ich darf – und bekomme dazu gleich noch eine ganz eindeutige Erklärung zum Hintergrund dieses Bildes, das etwa um 1900 entstanden ist.

Die Kuratorin des Museums schickte mir die folgende Beschreibung zu dem Bild.

That image is of the horse car for the Union Pacific bandit hunter train that was created as a fast response consist to chase down train robbers in the western United States. Here is more information about that train and the purpose of the car:

William T. Canada is one of Union Pacific’s more noteworthy special agents. Bill, a veteran of the Civil War, made his way to Omaha and was hired to be a special agent. On June 1, 1891; Bill was appointed to the supreme direction of policing all the roads that made up the Union Pacific. He was given the following instructions:

“Keep our trains from being held up. We don’t care how you do it.”

His response was to organize the “Union Pacific Bandit Hunters”. Based out of Cheyenne, Wyoming; the “Bandit Hunters” lived in a sleeping car. Their horses were stabled in a specially constructed baggage car. A third car was used as a kitchen and dining room. The three cars were coupled together at all times. When a holdup occurred, a special locomotive would take the train to the scene of the crime. By organizing the “Bandit Hunters” in this way, Agent Canada was able to get his men and fresh horses to the crime scene quickly; before the trail went cold.
Special Agent Canada’s innovation was put into practice several times.
One of the most notorious of these was the posse who followed the Wild Bunch, notorious train robbers led by Butch Cassidy and the Sundance Kid after robberies in Wyoming 1899 and 1900 in remote areas outside Wilcox and Tipton.

Übersetzt heißt das:
 

Dieses Bild zeigt den Pferdewagen für den Zug der Banditenjäger der Union Pacific, der als schnelle Reaktion zur Verfolgung von Zugräubern im Westen der USA geschaffen wurde. Hier finden Sie weitere Informationen zu diesem Zug und dem Zweck dieses Wagens:

William T. Canada ist einer der bemerkenswertesten Spezialagenten der Union Pacific. Bill [Kurzname für William], ein Veteran des Bürgerkriegs, machte sich auf den Weg nach Omaha und wurde als Spezialagent eingestellt. Am 1. Juni 1891 wurde Bill als oberste Leitung für die Überwachung aller Strecken der Union Pacific benannt. Er erhielt die folgende Anweisung:

“Sorgen Sie dafür, dass unsere Züge nicht aufgehalten werden!
Wir fragen nicht danach, wie Sie das tun.”

Seine Reaktion war die “Union Pacific Banditenjäger” mit Sitz in Cheyenne, Wyoming ins Leben zu rufen. Die “Banditenjäger” lebten in einem Schlafwagen und ihre Pferde waren in einem speziell konstruierten Gepäckwagen untergebracht. Ein dritter Wagen wurde als Küche und Esszimmer genutzt. Die drei Wagen waren permanent miteinander gekuppelt und bei einem Überfall fuhr eine Sonderlokomotive mit dem Zug zum Ort des Geschehens. Auf diese Weise konnte Agent Canada mit der Organisation der “Banditenjäger” sich und seine Männer einschließlich ausgeruhter, frischer Pferde schnell zum Ort des Geschehens bringen, bevor die Spuren verwischt waren.

Diese Einheit von Spezialagent Canada wurde in der Praxis mehrfach eingesetzt.
Eine der berüchtigtsten Gruppe, die dem “Wild Bunch” folgte, waren die von Butch Cassidy und Sundance Kid angeführten Zugräuber, die mit Raubüberfällen in Wyoming 1899 und 1900 in abgelegenen Gebieten nahe zu Wilcox und Tipton ihr Unwesen trieben.

Aus all dem ist zu schlussfolgern, dass es ganz schön wild im Wilden Westen zugegangen sein muss, wenn selbst eine mächtige und einflussreiche Bahngesellschaft wie die Union Pacific zu solchen Methoden der Banditenbekämpfung greifen muss und praktisch ein Freibrief für die Jagd auf solche Verbrecher ausstellt.

Ich habe mich deshalb um dieses Bild so sehr bemüht, weil es neben der sehr großen Ähnlichkeit meines Vorbildfahrzeugs und dieses Wagens eben auch ein Stück Geschichte beschreibt, wie ich und wohl die meisten von uns sie so noch nicht kennengelernt haben.
Interessant, aber auch nachdenkenswert!

 


 

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