Ein neuer Zug – der Aero Train
Ein mehr als 60 Jahre alter Wunschtraum – nun in Arbeit
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Es gibt Fahrzeuge der amerikanischen Eisenbahnen, die begeistern mich seit Beginn der Zeit, als ich begann, mich für die Bahnen der USA zu interessieren, und das ist nun 65 Jahre zurück. Natürlich gehört da der Big Boy dazu, aber ebenso auch ein paar besondere Fahrzeuge, die nicht so in der Öffentlichkeit bekannt sind. Und dazu gehört bei mir der Aero-Train (im Amerikanischen ein zusammengeschriebenes Wort “Aerotrain”) als Triebzug, der 1955 von General Motors gebaut und vorgestellt wurde. Es erschien notwendig, der zunehmenden Abwanderung der Passagiere von der Eisenbahn mit neuen und modernen Zügen etwas entgegenzusetzen. Und da erschien der Aero-Train neben einigen weiteren Triebzügen bei den amerikanischen Eisenbahnen das geeignete Mittel zu sein.
• Quelle: Michigan Railroad History Conference
Und ich sage es noch einmal, die Begeisterung für diesen Triebzug ist so alt, wie ich mich für US-Bahnen interessiere. Dass ich nun den Bau eines solchen Aero-Trains angehen möchte, liegt an diesem Gehäuse des Motorwagens, einem Teil eines Bausatzes von Varney aus dem Jahr 1955, das seit etwa vierzig Jahren mit einigen weiteren Teilen bei mir im Schrank schlummert.
Aber die Geschichte ist dann doch noch ein bisschen weiter zu schreiben. Ab 1958 war ich Mitglied eines Modellbahnclubs in Dresden und eines der Mitglieder hatte diesen Zug als HO-Modell gebaut, nicht extrem hoch detailliert, aber eben doch ein beeindruckender Triebzug, der gelegentlich auf der großen Clubanlage im Einsatz war. Und dieser Eindruck war prägend! Die Begeisterung flammte wieder auf, als mir viele Jahre später ein guter Modellbahnfreund Teile eines solchen Aero-Trains schenkte, wo insbesondere der Triebkopf das komplizierteste Teil dieses Zuges ist. Alles andere, na, man wird sehen. Doch zunächst ging es dann doch nicht weiter, noch sah ich den Bau eines vollständigen Zuges mit Antrieb und Ergänzung der fehlenden Teile, der Lackierung usw. als zu kompliziert an – und so landeten die Teile im “Vorratsschrank” für wohl mehr als vierzig Jahre.
Ich kann es nicht sagen, was mich nun kürzlich bewegte, diese Teile des Aeros zu sichten, war es ein Bild des Zuges auf Facebook, das mich inspirierte, oder sonst irgend etwas, jedenfalls erschienen mir die Teile nach der Wiederentdeckung nun doch als eine gute Ausgansbasis für einen Modellbau! Es spielt bestimmt eine Rolle, dass ich nun bereits viele Eisenbahnmodelle gebaut habe und mir der Umgang mit Holz, Plastik oder auch Messing fast keine Probleme mehr bereiten, wo nun auch die neueren Technologien wie der 3D-Druck und das Ätzen oder Lasern von Teilen einen Modellbau immer weniger kompliziert machen. Dass es diesen Zug nun auch als industriell gefertigtes Modell gibt, besser gab, das meiner Meinung nach sogar Mängel hat, oder dass auch immer wieder einmal ein Messingmodell angeboten wird, zumeist sogar mit zu wenigen Wagen, ist keine Option für mich, entweder zu teuer oder mit Mängeln. Nein, ich will ein Modell haben, das in weiten Teilen meine eigene Handschrift trägt und wozu ich nun schon Baumöglichkeiten und den Einsatz von Teilen anderer Modelle prüfe.
Nicht ganz uninteressant ist natürlich auch die Beschreibung bei Wikipedia, allerdings in einer englischen Fassung. Schauen Sie trotzdem mal rein, vielleicht entdecken Sie ein paar Informationen, die Sie bisher noch nicht kannten.
Zunächst eine Bestandaufnahme! Als Teile für den Zug ist das Gehäuse des Triebkopfes und des Schlussteil des Endwagens in meinem Bestand, zwei Teile ohne die ich den Gedanken an eine Realisierung niemals aufgegriffen hätte. Bei der Übergabe dieser Teile vor vielen, vielen Jahren war ein vollständiger Wagenkasten dabei, aber eben auch nur einer. Zu dieser Zeit erschien es noch nahezu unmöglich, einen solchen dreidimensionalen Wagenkasten zu vervielfältigen, ihn abzugießen, damals also der Gedanke, zerlegen, die flachen Seitenwände zu vervielfältigen und dann mit einem neuen Dach, angedacht war Holz, neue Wagenkästen in der notwendigen Anzahl neu aufzubauen. Das originale Dach war durch die Sägeschnitte leider nicht reproduzierbar, wenigstens vor 40 Jahren nicht.
Zu dem Abgießen der Seitenwände ist es noch gekommen, doch dann erschienen die Probleme übergroß zu sein. Wie den Antrieb aufbauen, sämtliche Teile des Fahrwerks reproduzieren und wie auch die Übergänge der Wagen gestalten, denn der Zug hat eine glatte Außenhaut über den ganzen Zug hinweg.
Doch heute erscheinen all diese Probleme lösbar, wenigstens fast alle, wobei das schwierigste wohl die Übergänge zwischen den Wagen sein werden, und deshalb zunächst die Vorbereitungen, um dieses Problem zu lösen. Also müssen zwei Wagenkästen gebaut werden, damit dieses Problem gelöst werden kann! Zugleich muss aber über das Fahrwerk nachgedacht werden, denn wie will ich sonst die Übergänge bauen und testen. Das ehrgeizige Ziel ist es, eine möglichst glatte Außenhaut wie beim Vorbild zu erreichen und das geht nicht, ohne auch das fahrwerk wenigstens für zwei zu bauende Wagen zu bekommen. Also viele Dinge, die teilweise auch parallel bearbeitet werden können und in der Beschreibung werde ich dann auch mit dem Fahrwerk beginnen, nachfolgend dann die Wagenkästen und Übergänge.
Fahrwerk
Dank der Gespräche, die zu dem Gedanken geführt habe, hat mir ein Modellbahnfreund eine Sammlung teilweise sehr detailreicher Fotografien zukommen lassen, mit denen die Achslager konstruiert werden können. Im Bild mit den Seitenwänden zuvor ist klar zu sehen, dass da zwar weite Ausschnitte zu sehen sind, aber eben keine Achslager existieren.
Zugleich muss ich eine Lösung finden, wie die Achsen mit ihren Lagern einzubauen sind. Sollte ich mich da streng an das Vorbild halten? Die Wagen des Originals haben allesamt bis auf das führende Antriebsdrehgestell des Triebfahrzeugs feststehende Einzelachse, eine Lösung, die man leicht nachbauen könnte. Um eine einfache Konstruktion der Wagenübergänge, also der Faltenbälge, zu erreichen, habe ich mich jedoch zu sogenannten Jakobs-Drehgestellen entschieden, wo jeweils die Enden zweier benachbarter Wagen auf einem Drehgestell mit einem gemeinsamen Drehpunkt sitzen. Mehr dazu dann bei der Beschreibung zum Bau der Wagenkästen. Zudem habe ich mich entschieden, die Drehgestelle als reine Fahrwerksteile auszuführen, also keine Drehgestellblenden mit den Achslagern, wie im Allgemeinen üblich. Auch aus Gründen der freien Beweglichkeit der Drehgestelle werden die im 3D-Druck herzustellenden Achslagerblenden als Einzelteile in die Gehäuse der Wagen eingebaut, so dass diese wie beim Vorbild als fest installierte Blenden in den Ausschnitten der Seitenwände erscheinen. Doch dazu in diesem Abschnitt später mehr.
Hier geht es jetzt also nur um die Drehgestelle, und das beginnt mit einer Zeichnung, denn ganz aus dem Bauch heraus wollte ich diese dann doch nicht bauen. Immerhin sind es neun Stück, die ich benötige, und diese sollten dann doch nach ein paar grundlegenden Angaben übereinstimmend entstehen.
Die Zeichnung dazu sieht dann so aus. Das Drehgestell ist frei beweglich, was noch fehlt sind die Achslagerimitationen, die außen an den Ausschnitten für die Achslager an die orangenen Verklebungsflächen im Gehäuse angesetzt werden. Aber wie gesagt, die Achslagerimitationen sind ein weiteres Thema. Und damit konnte der Bau der Drehgestelle beginnen.
Hier bin ich schon einen kleinen Schritt weiter.
Die Teile, Drehgestell-Seitenwangen und Brücke müssen verlötet werden, wozu eine einfache Lötvorrichtung hilft, die Teile korrekt zusammenzusetzen und auch alle Drehgestelle einheitlich zu bauen.
Das erste Drehgestell in Rohform. Noch ist das Teil ein wenig zu verputzen und der Drehzapfen zu ergänzen. Aber eines habe ich schon probiert, das Drehgestell rollt fantastisch, wozu wohl zwei Dinge beitragen. Zum einen sind die Achsen in Nylonbuchsen gelagert und zum anderen sind es kugelgelagerte Radsätze. Was ist nun der ausschlaggebende Faktor für dieses exzellente Laufverhalten?
Das sind nun drei der Drehgestelle, die ich für den Test der Wagenübergänge brauche, sechs weitere müssen da noch folgen, später! Vielleicht nicht so recht zu erkennen, sie haben auch außen schon eine silberne Lackierung erhalten, denn die Achslagerbuchsen mussten zur Sicherheit eingeklebt werden. Da sie in die Bohrungen der Wangen nur einesteckt sind, wollte ich diese Sicherung durch Einkleben erst dann machen, wenn Farbe auf den Drehgestellen ist. Denn Farbe in den Lagerbuchsen bei einer nachträglichen Lackierung? Da könnten die guten Laufeigenschaften mit großer Wahrscheinlichkeit beeinträchtigt werden!
Eines sei noch ergänzt – Das Fahrwerk des Motorwagens wird in einem späteren Abschnitt beschrieben, da es ein völlig anderes sein wird und schließlich den Antrieb des ganzen Zuges umfasst.
Wagenkästen
Parallel zu den Drehgestellen entstehen Schritt für Schritt neue Wagenkästen, wobei ich natürlich gut auf die bereits existierenden Seitenwände zurückgreifen kann. Was fehlt und ein wenig mehr Arbeit macht, als einen Wagenboden und zwei Stirnwände zu bauen, ist das Dach, diesmal natürlich nicht aus Holz, wie früher einmal angedacht, sondern im 3D-Druck erstellt.
Anhand der vorhanden Teile zunächst eine Zeichnung des Querschnitts der Dächer erstellt und dann eine mir gut bekannte und exzellente Modellbahnerin (Ja, eine …in, die gibt es auch!) gebeten, eine Vorlage für den 3D-Druck zu erstellen und auch zwei Dächer probeweise zu drucken.
Auch wenn es in der Hochkant-Position ein bisschen ungewöhnlich aussieht, das ist der erste Druck von zwei Dächern im Doppelpack. Vielen Dank an Sarah Griessenböck aus Österreich, die mir da völlig unkompliziert ihre Hilfe angeboten hat. Diese Drucke werden mir demnächst weiterhelfen, um die beiden Wagen für den Test der Wagenübergänge oder Diaphragmen zu bauen.
Damit ist der erste Schritte für die zwei Musterexemplare der Wagenkästen getan, die zwei Dächer sind angekommen. So kann ich mich über die Wagenkästen hermachen, die ich für die Tests der Wagenübergänge/Diaphragmen benötige.
Einer der beiden Wagenkästen nun schon einmal mit den Grundbestandteilen zusammengeklebt und das Muster für die Dächer, des Endstück des letzten Wagens, angehalten – passt wunderbar! Danke nochmals an Sarah, die mit der Designarbeit für die Dächer und dem Musterdruck eine ganz hervorragende Arbeit geleistet hat! Aber angeklebt wird dieses Schlussteil dann doch später, der Zug muss erst einmal in seiner Gesamtheit stehen.
Damit kann der erste Wagenkasten auch endgültig zusammengebaut werden.
Der Blick von unten offenbart auch kein großes Geheimnis. Die Stirnwände sind ein Stück zurückgesetzt, da dort die Diaphragmen eingebaut werden und weicher Schaumstoff seinen Platz findet, der die sichtbaren Teile der Übergänge gegen die des gegenüberliegenden Wagens drückt. So jedenfalls der Plan, mehr dazu unter dem nächsten Punkt Wagenübergänge/Diaphragmen. An die breiten Streifen unten an den Stirnwänden wird noch die Bodenplatte angeschraubt, die zugleich die Auflagen für die Drehgestelle enthält – und das war’s dann schon.
Doch an den Bodenplatten werden auch noch vorn und hinten Verlängerungen (extensions) angeschraubt, die auf den Drehgestellen aufliegen, wobei diese sich an den Enden der Wagen vorn und hinten unterscheiden.
Ein paar Worte zur Bemaßung:
- Die mageren Maßangaben sind solche, die durch die verwendeten Teile nicht änderbar gegeben sind.
- Die fett geschriebenen Maße sind für den Bau notwendige Angaben, die es einzuhalten gilt!
- Die rot eingekreisten Maße sind wichtige Kontrollwerte, die nach dem Bau zu Kontrolle der Höhe der Extensions, um eine einheitliche Höhe der Wagenkästen über den ganzen Zug hinweg zu erreichen!
Wie in der Zeichnung erkennbar, liegen vordere und hintere Extension am Drehpunkt des Drehgestells übereinander. In der unteren Ansicht im Bild ist erkennbar, dass die Extension rechts, die untere, die des führenden Wagens, zwei seitliche Auflagepunkte besitzt, die auf dem Rahmen der Drehgestelle aufliegen, während die nachlaufende Verlängerung am linken Ende der Bodenplatte nur einen zentralen Auflagepunkt besitzt, hier eine U-Scheibe um die Bohrung für den Drehgestellzapfen herum, der auf der führenden Verlängerung des nachfolgenden Wagens aufliegt. Damit ist für jeden Wagen eine Dreipunktlagerung gegeben, so dass alle Radsätze eines jeden Wagens selbst bei Verwindungen in den Gleisen auf den Schienen aufsitzen.
Mit diesen zwei Wagen und den dazu erforderlichen drei Drehgestellen ist es nun möglich, die Wagenübergänge / Diaphragmen aufzubauen und zu testen!
Noch können die Hände nicht in den Schoß gelegt werden, aber ich denke, dass diese zwei miteinander gekoppelten Wagen einen ersten Blick in die Zukunft erlauben. Und wie schon einmal bei den Drehgestellen erwähnt, auch diese zwei Wagen laufen im Verbund ganz ausgezeichnet!
Hier noch ein etwas detaillierter Blick auf die Verbindung der Wagen. Natürlich fehlt der nächste Wagen an der rechten Seite, sonst könnte ich diesen Blick nicht ermöglichen. Was Sie hier nicht finden, ist die Verlängerung des Rahmens des nächsten Wagens auf der rechten Seite, diese wäre an dem Drehpunkt des Drehgestells unterhalb der Auflage des Wagen links zu finden. Um jedoch die richtige Höhe für diesen Wagen einzustellen, habe ich hier provisorisch zwei Unterlegscheiben unter der Auflage eingefügt.
Über eines werde ich jedoch nachdenken müssen, insbesondere dann, wenn die Diaphragmen an den Wagen installiert sind. Es war so schon eine Mühe, die zwei Wagen auch ohne Diaphragmen zu koppeln, geschweige denn, wenn diese angebaut sind. Meine ursprüngliche Konzeption, den Zug in drei Gruppen mit drei, vier und nochmals drei Wagen zu bauen und nur zwei Trennungen vorzusehen, werde ich wohl verwerfen müssen. Und ich glaube fast, dass es nur mit einer leicht zu koppelnden Verbindungen aller Wagen untereinander zu einer brauchbaren Lösung führen wird. Und damit ist der nächste Arbeitsschritt so ziemlich vorprogrammiert. Oder die Wagen an jedem Drehgestell einseitig fixieren und den Folgewagen einfach nur auf den Gelenkbolzen des Drehgestells aufsetzen? Das wäre zwar sehr einfach zu realisieren, gefällt mir aber ganz und gar nicht!
Wagenübergänge/Diaphragmen
Noch keine Ausführungen.