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Dreipunktlagerung für Wagenmodelle

- Three-point suspension for railroad car models -

 

Sorry, hier gibt’s ausnahmsweise mal keine Galerie – bei ganzen fünf Bildern?

- Dafür aber eine Ergänzung zum naheliegenden Thema Gefederte Drehgestelle.

 

Eine negative, aber leider typische Eigenschaft amerikanischer Wagenmodelle ist, dass sie keinen sicheren Stand haben – sie wackeln! Und diese Eigenschaft ist sogar mehr oder weniger ausgeprägt und nach meiner Auffassung so richtig störend und gar nicht modellgerecht. Und dann gibt es auch noch einige unter den Modellbahnern, die behaupten, dass dieses Wackeln so richtig dem amerikanischen Vorbild entspräche, wo es häufig infolge schlecht gepflegter Gleise mit relativ kurzen Schienen und versetzten Schienenstößen zum Wackeln oder Kippeln der Wagen kommt. Aber diese Bewegungen der Wagen ist eben kein Wackeln sondern ein Wanken, da das Gewicht der Wagen keine kurzen seitlichen Schwingbewegungen zulässt, sondern eben nur solche mit einer langen Amplitude, und das heißt dann, dass sie eben Wanken – während viele der Modelle leider ganz und gar vorbildwidrig einfach nur wackeln.

Ursache ist die Verwendung von Drehgestellen bei den amerikanischen Wagen, wo die Modelle nur in der Mitte an den Drehpunkten mit dem frame bolster. auf den Drehgestellen aufliegen – und somit können die Drehgestelle in der Regel nach allen Seiten kippeln. Das Kippeln in Wagenlängsrichtung ist dabei sogar notwendig, denn damit kann sich jedes Drehgestell den “Wellen” der Gleise gut anpassen, denn schließlich haben ja US-Modelle nach der RP-25-Norm der NMRA. auch nur 0,6 mm hohe Spurkränze. Aber die Drehgestelle kippeln zumeist auch seitlich und das sogar beide. Und wenn sie nicht kippeln, dann sind die Drehgestelle zu straff montiert oder sie klemmen am Drehzapfen durch aufgesprühten Lack und all das kann dann zum Entgleisen führen. Beim Vorbild liegen die Wagen natürlich auch nicht nur in der Mitte der Drehgestelle auf. Da gibt es zusätzlich seitliche Auflagepunkte auf den Bolstern von Wagen und Drehgestellen und das Wanken wird da ausschließlich über die Federung der Wagen abgefangen, also eine völlig andere Situation als bei den Modellen.

In meiner langjährigen Praxis habe ich die unterschiedlichsten Versuche erlebt, um das Problem in Griff zu bekommen. Zu lose angeschraubte Drehgestelle verursachen ein Kippeln der Wagen und ein schnelles Nachziehen der Schrauben an den Drehpunkten der Drehgestellen führte zum nachfolgenden Entgleisen – und das alles während des Ausstellungbetriebs. Und leider führen gerade extrem ungünstige klimatische Bedingungen während mehrtägiger Ausstellungen immer wieder zum Verziehen der Module an den Stoßenden, die man schwerlich auf die Schnelle beheben kann. Für mich gibt es daher nur eine einzige Lösung, um das Problem ein für alle Mal zu eliminieren – eine Dreipunktlagerung, und das an allen Wagenmodellen und darüber hinaus auch an Lokmodellen mit Drehgestellen, sofern es sich mit einigermaßen vernünftigem Aufwand realisieren lässt. Da kommt dann noch eine verbesserte Stromaufnahme ins Spiel, die ein weiteres, maßgebliches Argument für einen solchen Umbau ist.

Mit einigen Bildern und wenigen Erläuterungen möchte ich hier deshalb ein paar Ideen vorstellen, wie ich sie an meinen Wagenmodellen realisiert habe und das mit zumeist relativ geringem Aufwand. In allen diesen Fällen handelt es sich hier um Industriemodelle, was zeigt, dass man diese Modifikation nicht nur an Eigenbaumodelle realisieren kann, sondern sich nahezu jedes Modell dazu eignet. Und wie schon gesagt, die verbesserten Laufeigenschaften sind bemerkenswert. Wem liegt nichts an einem störungsfreien Fahrbetrieb?

Das Grundprinzip ist natürlich die Auflage des Wagenmodells auf drei Punkten, denn wer kennt nicht das Prinzip des dreibeinigen Hockers in der Küche, der niemals kippelt?

Der erste Auflagepunkt ist in jedem Fall der Drehpunkt eines der Drehgestelle. Und dieses Drehgestell muss sich nicht frei drehen, es muss auch frei in alle Richtungen kippeln können – in Wagenrichtung nach vorn und hinten und eben auch nach jeder Seite, wenigstens bis zu einem bestimmten Winkel, der ein bisschen nach Gefühl zu bestimmen ist, so wie man eben glaubt, wie Gleise maximal uneben oder verdreht sein kann oder eben, um Stöße der Schienen ausgleichen zu müssen.

Das erste Bild zeigt die Lösung dafür. Um die notwendige Beweglichkeit zu erzielen wurde hier sogar eine Unterlegscheibe am Drehpunkt aufgeklebt, die sogar noch ein bisschen ballig gefeilt werden könnte, um diese freie Beweglichkeit zu erreichen. Bei mir ist diese Arbeit immer damit verbunden, die Kupplung auf die korrekte Höhe zu bringen und dazu muss manchmal die Unterlegscheibe etwas dünner geschliffen oder gar der Untergrund, in dem Fall hier das frame bolster, abgeschliffen werden. Und das ist schon alles, wenigstens für das eine Drehgestell. Natürlich darf dabei die Befestigungsschraube nicht zu fest angezogen werden, noch darf ein zu dicker Schaft der Schraube oder ein zu großer Schraubenkopf die freie Beweglichkeit des Drehgestells in alle Richtungen einschränken.

Am anderen Ende des Modells erhält das frame bolster zwei seitliche Auflagepunkte, auf denen das Drehgestell gleiten kann. Fertig!

Das zweite Bild zeigt die Schaffung der Auflagepunkte zwei und drei. Am Drehgestell rechts nutze ich die beiden (vereinfachten) Nachbildungen der am truck bolster angespritzten Gleitflächen, die auf zwei Stützpunkten am frame bolster (den Tragebalken des Wagens) aufliegen. Dazu habe ich einfach zwei Nägel mit runden Köpfen im gleichen Abstand wie bei den Drehgestellgleitflächen in das frame bolster eingesetzt. Nun ist es nur noch eine Frage der Nacharbeit, bis diese zwei Auflagepunkte so richtig wirksam werden. Durch Nachschleifen der Auflagepunkte am Wagen (oder auch der Reduzierung der Höhe der Gleitschienen am truck bolster) wird die Höhe des Wagenkastens auch an diesem Drehgestell so eingestellt, bis die Kupplung ihr korrektes Höhenmaß über der Schienenoberkante erreicht hat. Gegebenenfalls muss auch die Mitte des Bolsters am Wagen reduziert werden, damit diese Stelle nicht erneut zu einem Auflagepunkt wird, über den das Drehgestell dann wie in der Ausgangssituation wieder seitlich kippelt.

Mit diesen zwei seitlichen Auflagepunkten ist die Dreipunktauflage eines Wagenmodells auch schon realisiert. Wichtig ist dabei, dass dieses zweite Drehgestell ausschließlich in Wagenrichtung – in gewissen Grenzen – frei kippeln kann, damit es den Gleisunebenheiten gut folgen kann. Dass es sich dabei frei drehen lassen muss und dass auch hier die Befestigungsschraube die Beweglichkeit nicht einschränken darf, ist natürlich selbstverständlich.

Die umgekehrte Variante - das frame bolster erhält Gleitschienen und das Drehgestell bekommt zwei zusätzliche Auflagepunkte.

Mit diesem Bild möchte ich noch eine andere Variante vorstellen, die nach dem gleichen Prinzip wirkt.
Da das Drehgestell keine Gleitflächen besitzt und die angespritzten Auflagepunkte zu niedrig waren, habe ich hier am Drehgestell zwei Nägel mit runden Köpfen in das truck bolster. in vorgebohrte Löcher eingesetzt und damit zwei erhöhte Auflagepunkte geschaffen. Am Gegenstück habe ich dann entsprechende Gleitflächen aus Vierkant-Messingprofilen auf die frame bolster aufgeklebt und entsprechend auf Höhe abgeschliffen.

Diese Variante versuche ich aber möglichst zu meiden, da hier im Gegensatz zur vorherigen Lösung eines der Drehgestelle bearbeitet werden muss und damit genau dieses Drehgestell immer wieder genau auf diese Ende des Modells fixiert ist. Natürlich ist dies kein großes Problem, aber zuvor musste ich keine besondere Aufmerksamkeit auf die Zuordnung der Drehgestelle legen.

Eine andere Variante kann ich noch mit diesen beiden nachfolgenden Bildern vorstellen – eine Pseudo-Dreipunktlagerung, wie ich es nennen möchte. Für den einen, den zentralen Auflagepunkt gibt es dabei auch keinerlei Veränderung bei der Konstruktion – eine möglichst ballige Auflage, auf der sich das Drehgestell in alle Richtung frei drehen und insbesondere uneingeschränkt kippeln kann.

Und eine weitere Möglichkeit, wobei der eine mittlere Auflagepunkt genau so ausgeführt wird, wie schon zuvor. Aber wenn die seitlichen Auflagepunkte schwer zu realisieren sind, kann eine 'Kippelkante' angebracht werden und das Drehgestell wird mit leichtem Federdruck darauf gepresst. Nur Drehen muss sich das Drehgestell noch, und sogar ziemlich leicht!

Das linke Bild zeigt die übliche, ballige Auflage in der Mitte des Wagenkastens. Das rechte Bild zeigt jedoch den Unterschied zu den bisherigen Lösungen mit der Auflage über zwei seitliche Gleitpunkte.

Da bei diesem Modell der Abstand zwischen dem truck bolster und frame bolster sehr groß ist, wollte ich keine extrem hohen Auflagepunkte und Gleitflächen realisieren. Ich habe hier statt zweier seitlicher Gleitpunkte lediglich eine zentrale Auflage geschaffen (hier wurde eine etwas größere, aber absolut ebene Unterlegscheibe aufgeklebt, die dazu noch schmal zugefeilt wurde), wo das Drehgestell dann mit einer Feder auf die Unterlage gedrückt wird. Der Federdruck muss dabei jedoch durch Probieren so eingestellt werden, dass sich das Drehgestell, wie es der Name sagt, auch noch leicht (mit der Betonung auf leicht) drehen, aber dabei eben nicht so ohne Weiteres quer zur Laufrichrung kippeln kann. Die Auflagescheibe am Drehpunkt des Drehgestells ist dabei möglichst schmal zugefeilt, um das Kippen dieses Drehgestells in Wagenlängsrichtung im Gegensatz zur Querrichtung möglichst wenig einzuschränken.

Gerade diesem Aspekt des möglichst freien Drehens des Drehgestells ist bei dieser Lösung eine große Bedeutung beizumessen. Ich habe es bei einigen Tests immer wieder erlebt, dass die Modelle auf Grund zu straffer Federn zwar nicht kippelten, aber in ihrer Möglichkeit, sich zu drehen, stark behindert waren. Die Folge waren Entgleisungen an Schienenstößen oder Weichen, wo die Spurkränze der Radsätze auf die Schienenköpfe aufkletterten, weil die Drehgestelle infolge mangelnder Beweglichkeit sich nicht in die Gleisachse ausrichten konnten und so die Radsätze aus dem letzten Bogen heraus stark gegen die Schienen liefen. Gerade teure Handarbeitsmodelle weisen häufig solch einen Mangel auf, da bei diesen Modellen die Drehgestelle mit Federn und ohne eine Dreipunktlagerung auf den Drehzapfen befestigt werden. Da hilft stets nur die Federn in der Länge zu kürzen oder durch weichere zu ersetzen. Es ist also keine problematische Lösung, mit dieser “Pseudo-Dreipunktlagerung” einen sauberen Lauf zu erreichen, man muss nur wissen, was dabei zu beachten ist und so zu einer störungsfreien Lösung verhilft.

Es bleibt natürlich jedem freigestellt, wie er seine Modelle gegen Kippeln ausstattet. Hier und da schließen die speziellen konstruktiven Gegebenheiten der Modelle die eine oder andere Lösung auch aus oder man muss sich vielleicht auch noch etwas ganz anderes einfallen lassen. Aber ich halte es für sehr wichtig, das Kippeln der Modelle auszuschließen, denn nicht fällt mir bei einer ansonsten gut gestalteten Modellbahnanlage unangenehmer auf, als wenn selbst die feinsten Modelle wie Lämmerschwänze bei der Fahrt über Gleise und Weichenstraßen wackeln. Und leider sehe ich das zu oft, auch wenn vielleicht noch nicht einmal ein unsicherer Modellbahnbetrieb zu bemängeln ist. Und dafür habe ich diese Zeilen geschrieben und die Bilder eingestellt und vielleicht sieht das der eine oder andere wirklich auch als Anregung zum Nachmachen – ich würde mich sehr freuen.

 
Gefederte Drehgestelle – gut und sinnvoll?

Nun noch ein Nachtrag zu einem viel diskutiertem Thema:
Was bringen gefederte Drehgestelle (sprung trucks) und erübrigt sich damit das Thema Dreipunktlagerung vielleicht automatisch?

Mich hat das Thema “gefederte Drehgestelle” mit meinen amerikanischen Wagenmodellen über viele Jahre hinweg begleitet und ich habe heute einen eindeutigen Standpunkt dazu.

Bei gefederten Drehgestellen kann man davon ausgehen, dass die Seitenwangen eines jeden Drehgestells gemäß amerikanischer Praxis gegeneinander verdrehbar sind und nicht von einem starrem Drehgestell ausgegangen wird, das nur eine gefederte Auflage am Drehzapfen besitzt. Damit sind genau genommen also einzeln gefederte Radsätze gemeint, ganz so wie beim Vorbild. Wobei oftmals bei den Modellen die Räder gar nicht federn, sondern mit den eingebauten und recht straffen Federn an den Drehgestellen die Beweglichkeit, als lediglich die Verdrehung der Seitenwangen möglich wird.
Aber diese Möglichkeit der Verdrehung ist der entscheidende Unterschied zu starren Drehgestellen – alle vier Räder können sich der Gleislage anpassen; sie federn zwar nicht, es liegen aber alle vier Radsätze auf den Schienen auf.
Ist das nun ein Vorteil für einen besseren Lauf der Modelle?
Ich sage Nein!

Es wird wohl immer wieder vorkommen, dass man mit seinen Modellen, mit seinen Umbauten und verbesserten Modellen zu Freunden und Bekannten geht und diese Modelle auf deren und dessen Anlagen fahren lassen möchte und es ist wohl nahezu regelmäßig der Fall, dass damit unterschiedliche Auffassungen aufeinander stoßen. Die gesuperten Modelle, wozu ich hier einmal die Wagenmodelle mit “gefederten” Radsätzen rechnen möchte, müssen auf Gleisen laufen, die durchaus nicht immer NMRA-normgerecht hergestellt sind. Das können durchaus auch Industriefabrikate sein, die aber im Zehntelbereich von dem abweichen, was man unter eigenen Bedingen mühevoll bearbeitet, korrigiert und angepasst hat, und damit damit im eigenen Bereich gut oder wenigstens zufriedenstellen laufen – unter fremden Bedingungen jedoch diese Voraussetzungen nicht mehr finden und einfach nicht laufen wollen. Sicher nur hier und da und sicher nur das eine oder andere Modell, aber es läuft nicht wie gewünscht. Ich gebe zu, ich habe es vielfach so erlebt.
Eines dieser typischen Problem ist es, dass gerade bei “gefederten” Drehgestellen die oder eines der Räder an den Herzstücken einbrechen, sich verhaken oder klemmen. Diese Situation wird heutzutage noch dadurch verstärkt, dass man oftmals die “Modell-gerechteren” schmalen Radsätze mit dem Code 88 einsetzen möchte, also 0.088″, damit nur 2,2 mm breite, eher schmale Räder einsetzen möchte, die eine um 0,6 mm schmalere Lauffläche an den Rädern haben. Und ich kann Ihnen versichern, diese Räder brechen garantiert bei schlanken Weichen an den Herzstücken ein. Bei ungenau gearbeiteten Weichen mit größerem Weichenwinkel noch viel häufiger und bei Verwendung europäischen Gleismaterials sowieso.
Die einfachste Lösung ist tatsächlich die, keine gefederten Drehgestelle zu verwenden, sondern ausschließlich die mit starrem Rahmen. Da liegen zwar nicht stets alle vier Räder auf den Gleisen, aber es kann auch keines einzeln in Löcher einbrechen, ohne dass der Wagen angehoben würde. Und das passiert bestimmt nicht, denn da hat die Schwerkraft was dagegen.

Meine Quintessenz also:

Keine gefederten Drehgestelle, aber Dreipunktlagerung auf jeden Fall!
Und wer noch etwas drauflegen möchte, der verzichtet auch auf Code-88 Radsätze,
wenigstens dann, wenn von Zeit zu Zeit die Modelle “den heimatlichen Hafen” verlassen.
Denn wer möchte nicht einmal seine neuesten Errungenschaften oder seine ganz besonderen “Schätze” auswärts bei Freunden und Bekannten vorführen und dann nicht mit Pleiten, Pech und Pannen konfrontiert werden?

Es wird sich auszahlen!

 

 

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