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Canda flat cars – ganz schön alt!

- Wo das Vorbild noch vor 1900 entstanden ist -

 

Gleich zur Galerie? Da werden Sie manche Details aber nicht finden! >>> Galerie

 

Ich weiß es nicht genau, aber es könnten dreißig oder auch vierzig Jahre her sein, dass der Model Railroader diese Zeichnung eines alten flat cars veröffentlichte, eine sogenannter Canda flat car., bezeichnet nach dem Konstrukteur oder Erbauer, und das schon vor dem Jahr 1893. Also ganz schön alt – und sogar etwas älter als ich meine Modellbahnzeit einordne.

Seit ewiger Zeit der Wunsch, diesen alten, aber interessanten Flatcar als Modell zu bauen, dessen Vorbild schon 1893 oder etwas zuvor gebaut wurde. Zwar ohne Luftdruckbremse, aber da waren um 1900 wohl immer noch einige Fahrzeuge im Einsatz.

Der Wunsch wurde nicht kleiner, als ich nun auch schon wieder zwanzig Jahre zurück in meinem wichtigsten Buch über amerikanische Modellbahnen, “The American Railroad Freight Car” von John H. White, Jr., diese Zeichnung wieder entdeckte, aber dieser Wunsch dann doch nie Realität wurde. Die Zeit war bisher einfach nicht dagewesen!

Die Zeit verging, über Facebook lernte ich meinen Freund Rob aus England mit seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten des Modell und Anlagenbaus kennen, und völlig unerwartet wollte er mir für eine kleine Gefälligkeit ein kleines Modell bauen und schenken, weil ich mich so begeistert über sein Modell geäußert hatte, das er vor einiger Zeit gebaut und vorgestellt hatte.

Und dann kam ein Geschenk von meinem Freund Rob aus England, der mir als Gefälligkeit diesen alten Straßenwalze (engl. street roller) gebaut und geschenkt hat.

Dies ist nun das Geschnk, diese kleine dampfbetriebene Straßenwalze, die er mir so ganz aus dem Nichts heraus gebaut und geschenkt hat. Sieht das kleine Ding nicht ganz allerliebst aus, um mich mal mit ein paar schwärmerischen Worten hier zu äußern? Aber was kann ich damit anstellen, wo ich doch keine Anlage habe!

Mein Freund hat einen Platz auf seiner sehr schönen Anlage gefunden und zusammen mit der Figur macht das Modell so richtig Sinn!

In England bei meinem Freund Rob hat dieser “street roller”, so der englische Begriff dafür, einen Platz auf dessen Anlage gefunden und man beachte bitte nicht nur dieses kleine modellbahnerische Detail, das da seinen Platz gefunden hat!

Ein altes Foto dieses ''Iroquois steam rollers'', wie er wohl von 1900 bis möglicherweise in die 20er Jahre gebaut wurde. Quelle: The New York Public Library Digital Collections

Wer mich kennt, weiß, dass ich gern Bilder vom Vorbild beisteure, zeigen sie doch, dass all die modellbahnerischen Aspekte nicht einfach so aus der Luft gegriffen sind. Und tatsächlich war dieses alte Vorbildfoto bei “The New York Public Library Digital Collections” zu finden, allerdings waren die Daten zu dieser Straßenwalze doch spärlich, bestenfalls noch das geschätzte Datum der Fotografie zwischen 1900 und 1930. Aber da sollte dann wohl auch diese Maschine durch die Iroquois Iron Works in Buffalo, NY gebaut worden sein. Und damit es keine Missverständnisse zu Urheber- bzw. Eigentumsrechten gibt, hier noch die Bildquelle auch mit den Angaben zur freien Nutzung des Bildes.

Und hier noch eine Werbeanzeige vom Hersteller dieser Straßenwalze, den Iroquois Iron Works, wie sie in den Jahren 1909 und 1911 in entsprechenden Magazinen geschaltet war.

Genauer wird es jedoch mit dieser Werbeanzeige für die Produkte der Iroquoise Iron Works aus den Jahren 1909 und 1911, also genau das was zu vermuten war, dieser Street roller ist ein Produkt, das etwas nach 1900 auf dem Markt war – und damit für meine !900er Eisenbahnperiode genau das Richtige!

Für mich war der Gedanke schnell gefasst, jetzt endlich war nicht nur die Notwendigkeit gekommen, ein neues Wagenmodell zu bauen, sondern es sollte eben dieser alt flat car sein, auf dem meine Straßenwalze als Ladegut seinen Platz finden wird. Zeitlich passen Wagen und Ladung ganz hervorragend zusammen, auch wenn der flat car möglicherweise ein bisschen groß für diese relativ kleine Ladung sein könnte. Aber diesen Versuch gehe ich an! Und der Wagen ist sowieso eine Leichtbau-Konstruktion, da ist dieses einzelne Stück Ladegut vielleicht doch gerade richtig?

Der erste Start mit den schwierigsten Teilen, die übergroßen Queeposts für die truss rods aus vorhandenen, aber recht groben Teilen zu modifizieren. Ich hab's dann abgebrochen, das Ergebnis war doch nicht gut genug!

Sie sehen selbst anhand der Zeichnung, so ganz gewöhnlich ist der flat car nun doch nicht gestaltet, es sind gleich meherere truss rods. in einer sich gegenseitig stützenden Form unter dem Wagenboden montiert, aber so schlimm zu bauen ist das nun auch wieder nicht – aber eben interessant! Und anders! Also das Richtige für mich! Definitiv die kompliziertesten Teile sind die überlangen queen posts., die es so auch nicht in den USA als Modellbauteile gibt, da bleibt nur der Weg, selbst etwas auf die Beine zu stellen.
Und das Bild zeigt den ersten Versuch. Ich hatte recht große queen posts im Bestand, allerding doch echt grob und im orginalen Zustand nicht verwendbar. Die Höhe stimmte, also war der Gedanke, diese Teile nachzuarbeiten und für HO-Modelle etwas feiner zu gestalten. Aber es war schwierig und das Ergebnis war dann auch nach dem zehnten Teil immer noch noch nicht zufrieden stellend, so dass ich diese Versuche abgebrochen habe. Hier geht der Weg nur über die Neuherstellung mit einem 3D-Druck in Messing – und das werde ich versuchen, mit meinem Freund Johannes auf den Weg zu bringen! Er ist mir sowieso noch was schuldig!

Also so richtig standardmäßig weiter, zunächst mit dem Rahmen - sozusagen ''Pille-Palle''.

Und daher ging es dann mit dem Modell auch ziemlich konventionell in der allgemein üblichen Reihenfolge weiter, die Rahmen waren somit als Erstes dran.

Aber von vornherein war klar, dass ich mit etwas Blei diesem Leichtgewicht etwas ''Masse'' verleihen musste.

Allerdings war mir von vornherein klar, die Modelle sind Leichtgewichte, wo allein eine Ladung nicht ausreichen wird, um ein vernünftiges Modellgewicht zu erreichen. Die NMRA. sieht für solch ein 40-Fuß Modell immerhin 110 Gramm vor. Also Blei in den Bauch oder wie hier innerhalb des Rahmens verstecken! Ein Glück, dass ich mich vor einiger Zeit um etwas Dachdeckerblei aus der Schrottkiste eines Dachdeckers bemüht hatte, das kam mir hier nun ganz gelegen. Zur Auswahl 0,6 oder 1,5 Millimeter? Ich habe mich trotz der zu erwartenden Auswirkungen beim Modellbau für das dickere entschieden – und selbst das bringt nur ganze 44 Gramm auf die Waage. Immer noch nicht viel, aber wenigstens etwas, denn das Modell würde einschließlich Drehgestelle und ohne Blei wohl noch nicht einmal 30 Gramm Eigengewicht erreichen.

Mit der Beplankung des Rahmens ging es weiter und das habe ich genau so schon auch bei anderen Modellen mit offenem Wagenboden praktiziert.

Einfärben der Leisten für die ''Planken'' des Wagenbodens. Nätürlich eine effizente Verarbeitung im Bündel, das mit Klebeband fixiert wird.
Schneiden im Bündel ... Aufkleben im Bündel ...
Damit ist der Wagenboden schon nahezu fertig, wobei die eine Seite auch schon beschnitten ist. Und so sieht's aus, nachdem ich einige Leisten mit gringfügig abweichender Länge noch eingesetzt habe. Zu neu soll's ja nun auch nicht aussehen!

Leisten in diesem Fall 2 inch x 6 inch, im Englischen hieße das Zoll, die nach deutschen Sprachgebrauch 50 Millimeter dick und 150 Millimeter breit sind, eingefärbt, mit Klebestreifen zu einem Bündel fixiert, im Bündel geschnitten und aufgeklebt, die Kanten verschnitten, die vorbereiteten Bleiplatten unten drunter eingeklebt – und fertig! Gut, vor dem Einkleben des Bleis noch ein bisschen Kosmetik betrieben oder besser gesagt, ein paar Spuren der Alterung angebracht, also die eine oder andere Planke durch eine geringfügig längere ersetzt oder hier und da mit einem Feilstrich eine Planke gekürzt. Alles nur in ganz geringen Maße, doch aber um die Uniformität eines “Neuzustand” nach dem Zuschneiden der Bodenplanken zu mindern.

Kleine Fortschritte, die Body bolster einschließlich der Gleitflächen für die Drehgestelle sind angebracht, womit die Dreipunktauflage der Modelle kippelfrei gewährleistet ist.

Der nächste Schritt sind die Bolster. am Rahmen, wir würden vielleicht Rahmen- oder Querträger dazu sagen, also die Teile, wo der Wagen auf den Drehgestellen ruht. Und wie bei allen Modellen bei mir haben die Bolster auch Gleitschienen bekommen, womit ich eine Dreipunktauflage der Modelle herstelle, die einen Betrieb ohne Kippeln oder Schaukeln der Wagen gewährleistet. Wichtig ist dieser Schritt zu diesem Zeitpunkt, weil ich zum einen die Wagenhöhe und damit insbesondere die Höhe der Kupplung bestimme, zum anderen kann ich bei diesen relativ groben Arbeiten mit der Feile auch nicht viel an Details zerstören, denn die fehlen gegenwärtig noch gänzlich. Aber damit könnten die Modelle nun auch zum ersten Mal auf die Gleise gesetzt werden, aber noch sind die Wagen ja ziemlich “nackig”. Und das, was einen Canda flat car im Besonderen ausmacht, das ist sowieso noch nicht montiert!

Noch ein Detailbild von ''meiner'' Dreipunktlagerung mit kleinen Gleitstücken, auf denen an einem Ende das Drehgestell mit den seitlichen Rollen gleitet. Beim anderen Drehgestell ist der Auflagepunkt der Drehpunkt in der Mitte (oben) - also drei Punkte und nichts kippelt und wackelt!

Auf Grund der vielen Anfragen insbesondere aus den USA zu der “mysteriösen” Gleitpunktlagerung habe ich dann dieses Bild noch geschossen, was eigentlich alles zeigt, was dazu gehört. Die “Gleitschienen”, hier extra auf den Längsträgern positioniert sowie vier Stück, die zum Modell gehören, auf den Bolstern aufgeklebt. Vorn sind sie so in der Höhe reduziert, dass die seitlichen Stützrollen des Drehgestells drauf gleiten, aber dabei die richtige Kupplungshöhe erzielt wird. Am anderen Ende, das hintere Modell, sind sie stärker abgefeilt, so dass der mittlere Drehpunkt mit der Befestigungsschraube die Auflage bildet. Drei Punkte zur Auflage des Modells und der Wagen kann weder kippeln oder schwanken. Wie ein dreibeiniger Hocker, der auch immer sicher steht!

Mit den Ergänzungen am Rahmen sind alle ''Holz''-Arbeiten an den Modellen abgeschlossen, die Detaillierung kann beginnen!

Alle Arbeiten am Rahmen sind abgeschlossen, alle die Holzleisten sind an ihrem Platz. Damit kann es mit der Detailierung weitergehen! Was nicht heißt, dass es nur kleine Restarbeiten sind, ich sage mal, die zweite Hälfte der Arbeiten kann damit eingeläutet werden.

Erste Details sind hinzugekommen, stake pockets und trussrods an den Rahmen-Querträgern oder zu gut deutsch - Rungenhalter und Spanneisen.

Und damit ging es los, Details!
Als erste wurden die stake pocket. angeklebt, danach wurden trussrods. an den frame bolstern angebaut. Diese trussrods an den frame bolstern sind ausschließlich bei älteren Wagen zu finden, bei denen die ganze Rahmenkonstruktion noch aus Holz(balken) zusammengebaut wurde. Sinn und Notwendigkeit besteht darin, dass vom mittleren Auflagepunkt des Rahmens aus, also am Drehpunkt der Drehgestelle, die seitlichen Rahmenwangen am Absinken gehindert werden sollten. Aus diesem Grund ist die Anordnung der Spanneisen auch genau entgegengesetzt zu den Spanneisen im Wagenlängsrichtung ausgeführt, wo ein Durchsacken in der Wagenmitte verhindert werden soll. Im besonderen Fall hatten sogar die Drehgestelle querliegende Spanneisen, nämlich dann, wenn wie anfangs üblich auch da die Bolster der Drehgestelle aus Holz waren. Diese aufwändigen Konstruktionen konnten schließlich mit Einführung von Bauelementen aus Stahl allesamt entfallen, da dann das neue Material Stahl all diese Kräfte insbesondere in Querrichtung aufnehmen konnten.

Ein paar weitere Details habe ich noch ergänzt, aber so richtig auffällig sind sie nun doch nicht, dass ich dies mit einem weiteren Bild dokumentieren müsste.

So von unten sieht's wirklich gut aus! Genau das könnte die richtige Aufnahmeposition sein, wenn das ganze Sprengwerk (trussrods of course!) fertig ist.

Aber trotz des halbfertigen Zustands der Wagen konnte ich nicht davon ablassen, die Probeaufstellung mitsamt der Ladung schon einmal abzulichten! Können Sie diesen Wunsch nachvollziehen?

So sollen einige der Queenposts aussehen, dieser doppelte erscheint der Zeichnung nach die beste Umsetzung zu sein. Die anderen sind dann doch eher nach der herkömmlichen Art.

Aber die Konstruktion der Queen posts durch meinem Freund Johannes nimmt langsam Gestalt an, denn diese brauche ich auch, um mit der Arbeit fortfahren zu können.

Der nächste Schritt, die Konstruktion ist fertig und für ein Modell zusammengestellt. Hoffentlich macht Shapeways was daraus!

Die Konstruktion ist nun mit dieser Zusammenstellung fertig geworden und damit geht’s zu Shapeways zum Drucken und Gießen. Ich hoffe jedenfalls nicht, dass ich dann doch wieder einen anderen Weg über eine Modellbaufirma gehen muss, denn würde es so richtig teuer.

Hier geht’s natürlich weiter, so wie die Arbeit vorangeht.

 

 

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